Mumbai, Taj-Hotel und Gateway of India

Mumbai  (früher Bombay),

november 2009

Mumbai, das frühere Bombay, liegt am indischen Ozean, im Westen Indiens.

Eine Stadt, die weder mit Worten noch mit Bildern ausreichend beschrieben werden kann. Jeder Versuch muss scheitern, ein umfassendes Bild zu zeichnen.

Mumbai, das auf einer Fläche, die nur halb so groß ist wie Berlin, etwa 14 Millionen Einwohner zählt. Rechnet man noch Außenbezirke (die sogenannte „Metropolregion“ hinzu, ergibt sich eine Einwohnerzahl von über 21 Millionen.

Eine Stadt der Gegensätze, eine Stadt zwischen Arm und Reich, eine Stadt zwischen Erblühen und Absterben, eine Stadt der Hoffnung, eine Stadt der Träume.

Ein Reiseziel? Die meisten Touristen machen hier ein oder zwei Tage Zwischenstation. Mal eben zum Gateway of India, mal zum Chhatrapati Chivaji Terminus (früher Victoria Terminus) oder auf die Elefanteninseln.

Sehenswürdigkeiten im eigentlichen Sinne bietet Mumbai wenig. Aber Mumbai bietet viel Wichtigeres: das pralle Leben.

Der Versuch einer Momentaufnahme:

 

Geräusche

Mumbai ist keine Stadt für die Ohren. Nicht nur an jedem LKW steht „HORN OK PLEASE“. Auch alle anderen Verkehrsteilnehmer lassen sich nicht lange bitte und Hupen, was das Zeug hält. Es ist kein aggressives deutsches Hupen mit dem erhobenen Zeigefinger nach der Art „du hast einen Fehler gemacht“. Es ist indisches Hupen. Es ist ein „ich bin auch da“, „die Ampel springt gleich auf grün“. Es ist ein „Hallo“. Es ist alles. Tausendfach pro Minute. Eine Symphonie der Geräuschverschmutzung.

 

Verkehr

Würden nicht die meisten Mumbaikars (so werden die Bewohner Mumbais genannt) mit dem Zug zur Arbeit, zur Schule oder zur Universität fahren, so wäre selbst eine 5-km-Fahrt kaum unter einer Stunde zu schaffen.

Während es in Deutschland heißt: „da kommt ein Taxi“, heißt es in Mumbai „da hinten kommt kein Taxi“. Für weniger als einen Euro kann man gute 5 Kilometer zurücklegen in diesen kleinen aber smarten Taxen ,die neu kaum 4.000 Euro kosten.

 

Eine Fahrt mit der Bahn ist ein echtes Abenteuer. Zu Fahrtpreisen um die 10 Euro-Cents sollten aber ein paar Regeln beachtet werden: nach dem Einsteigen so schnell wie möglich in die Richtung der Sitzplätze vorkämpfen. Der  Raum zwischen den Türen ist die „Kampfzone“: auf weniger als 7 Quadratmetern drängeln sich bis zu 60 Personen. Und wenn die alle auf einmal aussteigen wollen, ist man als Tourist nur noch ein Spielball der enormen Kräfte der 60 Bahnreisenden, die sofort den Zug verlassen wollen. Gleichzeitig will natürlich etwa die gleiche Personenanzahl den Zug besteigen. Die Betonung liegt wirklich auf „gleichzeitig“. Da sind die meisten Achterbahnfahrten weniger aufregend.

 

Wer keine Lust auf die Schlange am Fahrkartenschalter hat, kann es auch mal ohne Fahrkarte probieren. Kontrollen gibt es in den übervollen Zügen kaum und die Strafe beim Erwischtwerden ist lächerlich gering: doppelter Fahrpreis für längste mögliche Strecke, also 36 Rupien, 54 Euro-Cents.

 

Kurioses (I.)

Mumbai ist der Platz für Entdecker. Mit wachen Augen durch die Stadt zu gehen, lohnt sich immer. Mumbai ist die Stadt der Überraschungen.

So ist morgens an der Westseite des Chhatrapathi Chivaji Terminus ein Bus zu beobachten, der Krähen von den nördlichen Stadteilen in die Region um das Gateway of India bringt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Reihenhaussiedlungen

Slums sind keine indische Erfindung. Sie sind Notwendigkeiten, damit Menschen wohnen und leben können. Die meisten sind illegal und werden gerade in Mumbai auch gern wieder abgerissen, um Hochhäusern Platz zu machen. Die alten Bewohner bekommen dann manchmal die Chance auf eine Wohnung in einem Neubaugebiet. Doch die Verhältnisse sind nicht unbedingt besser dort. Ein Slum ist auch eine gewachsene Einheit, eine Nachbarschaft. Dort wird gewohnt, gelebt und gearbeitet. Zahllose Handwerks- und Handelsbetriebe haben ihren Sitz dort. Ohne Kanalisation, ohne fließendes Wasser in den Häusern. Aber mit einem prallen Leben in den schmalen Gassen und Straßen. Dharawi ist der größte Slum in Asien, auf zwei Quadratkilometern leben bis zu eine Million Menschen. Fast alle von ihnen arbeiten. In kleinen Werkstätten wird aus Altpapier Verpackungsmaterial für die Erdnussverkäufer, es werden Körbe hergestellt, oder Seife.

Natürlich sind es keine Reihenhaussiedlungen im deutschen Sinne. Aber, es ist eine Lebensform, die das Überleben ermöglicht.

Schwierig sind die hygienischen Verhältnisse. Aber durch die vielen Kanäle und das nahe Meer ergeben sich auch hier viele Möglichkeiten der „Erleichterung“.

Das ist auch ein gutes Stichwort, Gerüche...

Fantastische Gerüche eines gerade frisch zubereiteten Thali (vegetarisches Linsengericht) wechseln sich schnell ab mit Gerüchen von Müll und menschlichen Hinterlassenschaften. Nein, Mumbai ist kein Luftkurort. Doch auch nicht so schlimm, wie man es erwarten könnte. Der meiste individuelle Verkehr wird in den Taxen indischer Bauart abgewickelt - die sind fast alle mit Gasantrieb ausgestattet. Erst in den nördlichen Stadtteilen sind auch die Trikshaws (Dreiräder) zugelassen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotografieren

Kaum hat man die eigene Kamera ausgepackt, schon finden sich an jedem Platz viele Menschen, die unbedingt fotografiert werden möchten. Sie wollen nicht die Abzüge haben, sie suchen scheinbar die Öffentlichkeit, das Gefühl, wichtig zu sein. Sie sind stolz, wenn der Auslöser gedrückt wird und schauen sich auch gern auf dem Display die Ergebnisse an. Eine wunderbare Möglichkeit, Kontakt aufzunehmen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mythen

Heilige Kühe bringen Glück. Sie zu füttern bringt Glück. Da aber fast niemand einen Garten besitzt, um frisches Futter zu ernten, sind heilige Kühe eben auch ein Geschäft. Man kauft Futter in Form von Gras oder fertigen Futterballen und überreicht sie der Kuh. Jede Kuh hat einen Besitzer. Es ist eine Mär, zu glauben, in Indien laufen die Kühe wirklich frei durch die Gegend. Der größte Teil ist ständig angebunden, nur ein paar Kühe laufen auch mehr oder weniger frei in der Gegend ihrer Futterstelle umher.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bollywood und Entertainment

Bollywood ist die Verkörperung eines Traumes. Der Traum vom Aufstieg in ein besseres Leben, der Traum vom Erfolg.  Wer am 22.11.2009 am Nariman Point den Wrestler, Schauspieler und Ex-Mr. India „The great Khali“ miterleben durfte und die Begeisterung der Menge sah, wird verstehen, wie groß dieser Traum ist. Der 2,16 Meter große und 180 Kilo schwere Hüne verkörpert diesen Traum. Als Ex-Steinbrucharbeiter ohne große Bildung hat er es geschafft. Die Menge vergöttert ihn.

 

Bollywood produziert Träume. Vor allem den Traum vom Aschenputtel. Ständig wird irgendwo in der Stadt gedreht. Wer ein paar Tage in Mumbai verweilt, wird kaum ohne die Beobachtung eines Drehs die Stadt verlassen.

 

Selbst einen kleine Statistenrolle ist nicht auszuschließen. Der westliche Tourist im Dreh rechts hatte die ehrenvolle Aufgabe, für 1,5 Sekunden von rechts nach links durch das Bild zu gehen.

Und dann hieß es wieder „very good, one more“.

Dieser Satz war noch vielfach zu hören.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Polizei

Die Polizei in Indien hat nicht den besten Ruf. Touristen gegenüber sind sie jedoch sehr höflich und auskunftsbereit. Korruption lässt sich jedoch schon beim  oberflächlichen Hinschauen beobachten: am Chowpatty Beach wandern die Polizisten von Essensstand zu Essensstand. Hier mal einen Tee, dort mal ein paar Erdnüsse. Trotz intensivem Hinschauen wird man aber nie feststellen, dass einer der Polizisten in die Tasche greift um Geld zum Bezahlen hervor zu holen.

 

Andererseits darf mancher Polizist durchaus als interessantes Vorbild dienen. So hielt ein Polizist abends einen Fahrradfahrer an, der bei Rotlicht fuhr (machen ja eigentlich alle) und dabei allerdings auch noch den Verkehr blockierte. Die Strafe folgte sofort und ohne Diskussion. Der Polizist beugte sich über das Vorderrad und entfernte mit einem laut vernehmbaren Zischen das Ventil vom Rad. Der Fahrradfahrer konnte dann auch sofort „abschieben“…

 

 

26/11

Mumbai wurde immer wieder von Terroranschläge oder auch religiösen Konflikten heimgesucht. Der 26.11.2008 war jedoch ein besonderes Datum. Ziel waren diesmal nicht die Vorortzüge oder schlechtere Wohnviertel, sondern die besten Hotels der Stadt, eine Synagoge, ein Touristencafe, der wichtigste Bahnhof und sogar Krankenhäuser. Niemand konnte sich mehr sicher fühlen, auch die Reichen Mumbais nicht. Mumbai ist enger zusammengerückt durch diese Attentate, ist sozialer geworden, hat sich als Gemeinschaft gezeigt.

Ein Jahr später, am 26.11.2009 fanden eine Vielzahl von Veranstaltungen statt; das Fernsehen berichtete auf allen Kanälen live.

Die Folgen sind immer noch nicht überwunden. Drei Viertel weniger Touristen in 2009. Polizei hinter Sandsäcken verschanzt mit Maschinengewehren.

Nur 10 Terroristen sorgten für 60 Stunden Angst und Chaos. Eines der ersten Ziele war das beliebte Café Leopold. Noch heute kann man sich die Vielzahl der Einschüsse im Café anschauen. Eine Bild des Grauens.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gandhi

Mahatma Gandhi hat viele Jahre in dem damaligen Bombay gelebt. Sein Haus ist heute noch zu besichtigen und gibt einen eindrucksvollen Einblick in sein Leben. Seine Bibliothek ist ebenso zu sehen wie sein spartanisch eingerichtetes Schlaf- und Wohnzimmer.

Zu jeder geführten Stadtrundfahrt gehört Gandhis Haus dazu. Per Taxi geht es für einen Preis von ca. 30 Euro pro Taxi etwa fünf bis sieben Stunden durch die Stadt mit einer Vielzahl von „Sehenswürdigkeiten“. Stopps sind u. a. an einem Tempel, den Hängenden Gärten, den „Tower of Silence“, Gandhis Haus, Dharawi, einer Open-Air-Wäscherei, dem Bordellbezirk und sicherlich auch einer „günstigen Einkaufsgelegenheit“ (sehr günstig vor allem für den Taxifahrer, der Provisionen erhält).

Übrigens: Wer sich über die Ausstattung des Taxis mit einer Fußbelüftung freut, sollte sich keinen Illusionen hingeben: das sind Durchrostungen, die notdürftig mit einer Fußmatte kaschiert wurden.

 

 

 

 

 

Essen

Ob geröstete Maiskolben für 15 Euro-Cents oder Zuckerrohsaft für ein paar Cents weniger. Indien ist ein kulinarisches Entdeckungsland. Wer sich dort anstellt, wo viele Mumbaikars anstehen, wird sicher nicht enttäuscht werden.

 

 

 

 

Kurioses (II.)

Anstehen oder drängeln: Während in den Vorortzügen das Drängeln und Schubsen zum Standard gehört, ist interessanterweise das Besteigen eines Busses nur dann möglich, wenn man sich vorher in einer der fast endlosen Schlangen angestellt hat. Auch das ist Mumbai.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kurioses (III.)

Öffentliches Küssen - unmöglich. An manchen Plätzen sind sogar Paare verboten. Aber auf den Straßenmärkten werden öffentlich Dildos ausgestellt und verkauft. Alkohol wird nur in wenigen Örtlichkeiten verkauft. Aber Betelnüsse (in Deutschland nach Betäubungsmittelgesetz verboten) werden an jeder Straßenecke, auch von Kindern, verkauft. It´s Mumbai.

 

 

Das Meer

Mumbai ist sicherlich kein Platz für einen Badeurlaub. Selbst die gelobten Strände des Juhu-Beach sind zwar sauberer als die Strände von Chowpatty oder Worli, aber trotzdem kein Platz zum Baden. Mumbai besitzt kaum Kläranlagen - also ist das Badewasser dort auch stark belastet.

Aber jeder Strand ist ein Platz zum Treffen, zum gesehen werden und zum sehen.

 

Ein Besuch der Elefanteninsel ab Gateway of India lohnt sich auf jeden Fall. Die Schiffsfahrt vorbei an einer Vielzahl unterschiedlicher Boote als auch die Insel an sich mit seinen Höhlen lohnt einen Besuch.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tiere

Nicht nur die Kühe sind heilig. Jedes Tier wird geachtet. So kommt es nicht von ungefähr, dass Mumbai offenbar die besternährtesten Straßenhunde der Welt hat. Tauben, Krähen, alle bekommen ihr Futter. Und die Reste entsorgen nachts die Ratten. Selbst die Fliegen auf rohem Fisch oder Fleisch werden nicht verjagt. Manchmal scheint diese Tierliebe doch zu weit zu gehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kurioses (IV.)

Es wird wohl ein ewiges Rätsel bleiben, warum Mumbaikars glauben, dass Touristen unbedingt eine Trommel oder einen etwa einen Meter langen Riesen-Luftballon brauchen.

 

uwe@elert.de